Paketzusteller erwägen Extra-Gebühr für Haustürlieferungen

Waren im Internet bestellen ist bequem – aber nur, wenn Kunden sie bis an die Haustür geliefert bekommen. Diese sogenannte „letzte Meile“ ist für viele Paketzusteller ein echter Kostentreiber.


GLS, DPD und Hermes diskutieren deshalb eine zusätzliche Gebühr für Haustürlieferungen. Warum das eine gute Idee und völlig legitime Preisstrategie ist, erläutern Logistik-Experten Kornelia Reifenberg und Philipp Biermann, Partner bei der globalen Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners.

3,35 Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen wurden 2017 in Deutschland verschickt, berichtet der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK). Das ist im Vergleich zum Jahr 2000 eine Steigerung um knapp 100 Prozent. Diese erhöhte Sendungsmenge bei gleichzeitig fehlenden Mitarbeitern stellt Zusteller vor große Herausforderungen – die sie nicht immer meistern. Es kommt zu immer mehr verspäteten oder fehlgeleiteten Zustellungen. Die meisten Probleme entstehen auf der sogenannten „letzten Meile“, dem Transport der Päckchen zum Briefkasten. Die ist der mit Abstand aufwendigste Schritt im gesamten Transportprozess und verantwortlich für etwa 50 Prozent der Gesamtkosten einer Paketlieferung.

Haustürlieferung wird zum Extra-Service

Diesen Aufwand möchten sich die Logistikunternehmen jetzt bezahlen lassen: Mehrere Paketdienste erwägen Preiserhöhungen bei der Zustellung direkt zum Empfänger. Hermes und DPD bestätigten Überlegungen, mittelfristig die Haustürlieferung als Premiumprodukt einzustufen und damit zu verteuern. GLS hatte solche Zuschläge bei einigen Firmenkunden schon im letzten Weihnachtsgeschäft eingeführt. Dabei verweisen die Unternehmen auf Länder wie Schweden, wo diese Belieferung bereits extra koste. Marktführer Deutsche Post DHL plant nach eigenen Aussagen bislang keine solche Gebühr.

So bewerten die Simon-Kucher-Experten den Vorstoß:

„Einen Zuschlag für Haustürlieferungen zu erheben, ist legitim und sinnvoll. Solange Paketzusteller ihren Kunden noch Alternativen bieten, etwa zentrale Abholstationen wie Paketshops, können sie sich auch weiterhin für die preiswertere Variante entscheiden. Andere Branchen verfolgen längst die Strategie eines günstigen Basisangebots; wer zusätzlichen Komfort wünscht, bezahlt dafür auch extra. So beispielsweise Autovermietungen mit individuellem Rückgabeort oder Airlines mit zusätzlicher Beinfreiheit oder mehreren Gepäckstücken.

Die ‚letzte Meile‘ zu verteuern, würde den Paketzustellern auch dabei helfen, das Kundenverhalten in die richtige Richtung zu lenken. Aufgrund der hohen Kosten, der niedrigen Gewinnmargen sowie der Belastung für Fahrer und Umwelt bedeutet dies vor allem: weniger Haustürlieferungen. Um die Preiserhöhung für Endkunden auszugleichen, könnten Zusteller neben der Einführung eines Zuschlags für Haustürlieferungen gleichzeitig Alternativen mit Abholung an einem zentralen Lager billiger machen.“

Für Rückfragen und detaillierte Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

Franziska Harsch (Public Relations Manager)
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E-Mail: franziska.harsch@simon-kucher.com
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